Ein Geschädigter hat genau zwei Möglichkeiten, seinen Schaden abzurechnen.

  • Er kann den Schaden konkret abrechnen und genau zu dem Preis, den sein Sachverständiger im Gutachten kalkuliert hat, in der Markenfachwerkstatt seines Vertrauens gegen Rechnung reparieren lassen.
  • Die andere Möglichkeit ist es, sich den erforderlichen Netto-Betrag für die fiktive Wiederherstellung auszahlen zu lassen.

ski0045Der Geschädigte kann gemäß § 249 BGB frei wählen, ob er das Fahrzeug instandsetzen lässt oder ob er sich die ermittelten Reparaturkosten auszahlen lässt (fiktive Abrechnung). Liegen die Reparaturkosten oberhalb von 70%, wird bei der fiktiven Abrechnung nach herrschender Rechtsprechung der Restwert in Abzug gebracht (Wiederbeschaffungswert abzüglich Restwert = Entschädigungsbetrag).

Dem Geschädigten bleibt es überlassen, wie er mit dem Schadensbetrag, den die Versicherung zu zahlen hat, verfährt. Eine fiktive Abrechnung ist grundsätzlich möglich! Die Versicherung darf den Geschädigten nicht darauf verweisen, dass er nicht fiktiv abrechnen dürfe.

Bei fiktiver Abrechnung hat der Geschädigte Anspruch auf Erstattung der netto - Reparaturkosten, wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert nicht übersteigen. Der Wiederbeschaffungswert ist der Wert, den das Fahrzeug vor dem Autounfall hatte. Ein Sachverständiger ermittelt diesen und er steht in dem Gutachten.

  • Bei fiktiver Abrechnung erhält der Geschädigte den Netto - Betrag (§ 249 BGB). Führt er aber eine Teilreparatur durch, z. B. um die Verkehrssicherheit wieder herzustellen, so ist auch der Mehrwertsteuerbetrag aus dieser Rechnung zu erstatten. Den Nachweis darüber, dass das Fahrzeug nach dem Autounfall wieder verkehrssicher ist, kann der Geschädigte durch eine Bestätigung seines Sachverständigen erbringen.
  • Oft kommt es vor, dass verschieden Positionen aus dem Gutachten des Sachverständigen bei fiktiver Abrechnung durch die Versicherung zu Unrecht gestrichen werden. Auch bei fiktiver Abrechnung sind aber UPE-Aufschläge (unverbindlich empfohlene Preise für Ersatzteile) und Verbringungskosten zu erstatten!
  • Oft versuchen Versicherungen, den Geschädigten bei fiktiver Abrechnung auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer mühelos und ohne Weiteres zugänglichen "freien Fachwerkstatt" zu verweisen. Dann muss die Versicherung aber darlegen und ggf. beweisen, dass eine Reparatur in dieser Werkstatt vom Qualitätsstandard her der Reparatur in einer markengebundenen Fachwerkstatt entspricht.

Der Geschädigte braucht sich auch nicht bei fiktiver Abrechnung auf diese "freien Werkstätten" verweisen lassen, wenn sein Fahrzeug bis zu 3 Jahren alt ist. Denn bei neuen bzw. neuwertigen Kraftfahrzeugen muss sich der Geschädigte im Rahmen der Schadensabrechnung grundsätzlich nicht auf andere Reparaturmöglichkeiten verweisen lassen - auch nicht bei fiktiver Abrechnung -, die ihm bei einer späteren Inanspruchnahme von Gewährleistungsrechten, einer Herstellergarantie und / oder Kulanzleistungen Schwierigkeiten bereiten könnten.

Aber auch bei älteren Fahrzeugen braucht der Geschädigte sich nicht auf die Stundensätze der Versicherung verweisen lassen, wenn der Geschädigte konkret darlegt, dass er sein Kraftfahrzeug bisher stets in der markengebundenen Fachwerkstatt hat warten und reparieren lassen oder sein besonderes Interesse an einer solchen Reparatur durch eine konkrete Reparaturrechnung belegt. Dies gilt insbesondere auch bei einer fiktiven Abrechnung.

Lassen Sie sich den Ihnen bei fiktiver Abrechnung zustehenden Betrag von der Versicherung nicht zusammenstreichen! Schalten Sie einen Rechtsanwalt ein

Haben Sie den Verkehrsunfall nicht verschuldet, erstattet die Versicherung der Gegenseite den Rechtsanwalt für Sie! Aber Vorsicht, im Falle dass die gegnerische Versicherung gemahnt werden muss werden diese Kosten geltend gemacht. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt diese Kosten.

Jedes Jahr sparen die Versicherungen so auf Kosten des Geschädigten mindesten einen dreistelligen Millionenbetrag ein! Lassen Sie sich nicht gefallen, dass man Ihre fiktive Abrechnung rechtswidrig kürzt.